KZ-Opfer
Frater Peter August Blandenier
Kleriker der österreichischen Minoritenprovinz
Er wurde am 19. November 1905 in Gelsenkirchen (Deutschland) geboren und besuchte das humanistische Gymnasium in Münnerstadt. Sein Abitur, das er am 22. 3. 1934 abschloss, fiel bereist in die nationalsozialistische Zeit. Da er der braunen Weltanschauung und ihren Machenschaften ablehnend gegenüberstand, zumal die Kirche im Reich durch die berüchtigten Sittlichkeitsprozesse aufs schwerste diffamiert worden war, führte ihn sein Lebensweg nach Österreich.
Er ersuchte um Aufnahme in den Minoritenorden und begann sein Noviziat am 19. Oktober 1937 im Konvent Asparn an der Zaya. Bald konnte der junge Novize den beginnenden Kirchenkampf auch in den Dörfern des Weinviertels mitverfolgen. Rein religiöse Zusammenkünfte der Jugendlichen wurden verboten.
Nach Beendigung des Noviziats legte fr. Peter am 19. Oktober 1938 seine einfache Profess ab und belegte wenige Tage später an der Wiener Universität katholische Theologie.
Im Wiener Konvent in der Alserstraße fand er in seinem Mitbruder dem Kleriker Frater Otho Josef Pinzenöhler einen Gesinnungsgefährten: Man träumte von einem freien Österreich unter monarchischer Staatsform. Beide schlossen sich der legitimistischen Widerstandsgruppe „Hebra“ an, in die sie der Medizinstudent Karl Alfons Portele einführte. Frater Beda Lang und Frater Franz Hierzer zunächst auch mit dabei, zogen sich jedoch bald zurück.
Es fanden Treffen der Gruppe im Konvent in der Alserstraße statt bei denen Diskussionen geführt und Flugzettel-Steuaktionen vorbereitet wurden. Ein eingeschleuster Spitzel lies die Gruppe auffliegen.
Wilhelm von Hebra wurde Ende März 1939 verhaftet und am 31. Mai wurde auch fr. Peter in Schutzhaft genommen, mit der Begründung, dass er“ durch sein Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und des Staates gefährdet.“ Auch sei er der Vorbereitung zum Hochverrat „dringend verdächtigt“. Wegen Mangel an Beweisen wurde das Verfahren am 20. Dezember 1939 eingestellt. Sein Mitbruder Fr. Otho Pinzenöhler (1910 – 1991) wurde jedoch zu 4 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt.
Frater Peter Blandénier 1905 - 1943Am 4. März 1940 wurde Frater Peter neuerlich in Haft genommen – da ja zu befürchten sei, dass er sich auch „weiterhin staatsfeindlich verhalten“ werde. Am 4. Mai schickte man in ins Konzentrationslager Dachau wo er die Häftlingsnummer 7203 bekam.
An Hitlers Geburtstag am 20. April 1941 verstarb er nach weniger als einem Jahr Haft. Ursache unbekannt.
Es gibt nur wenige Dokumente im Wiener Konvent über fr. Peter Blandenier. So sein Studienbuch, ein handschriftlicher Brief und ein Schreiben des Konzentrationslagers Dachau an den Provinzial Johann Fischer mit der Anfrage, wohin die Urne des Verstorbenen geschickt werden soll.
1986 wurde eine Gedenktafel in der Kapelle seines großen Mitbruders des Hl. Maximilian Kolbe enthüllt. Da sie von den Besuchern kaum bemerkt wird, hat der Konvent beschlossen, die Tafel im Kreuzgang neben dem großen Kreuz anzubringen, wo auch die übrigen verstorbenen Mitbrüder verzeichnet sind.
Möge dieser leidgeprüfte und tapfere Mitbruder immer im Gedächtnis bleiben.
R. I. P.
Todesnachricht aus dem KZ
Die Uni Wien hat ein Gedenkbuch online gestellt, wo auch über unseren Mitbruder berichtet wird. Lesen Sie auch dort über ihn!









