Seine Gebete

Über Franziskus wird gesagt, dass er nicht mehr ein "Mann des Gebetes war", sondern "zum Gebet" selbst geworden war. Diese Aussage zeigt uns, wie tief die Bindung zu Gott war. Aus welchem Vertrauen heraus er gelebt hat. Die Worte seines Gebetes sind erfüllt mit Leben. Mit Erfahrung. Mit der Suche nach dem Quell allen Lebens. In diesem Sinn betont Franziskus immer: Mein Gott und mein Alles!

Übersicht seiner Gebete:

1. Gebet in der Stunde der Bekehrung

2. Der Sonnengesang

3. Der Lobpreis Gottes

4. Das Segensgebet für Bruder Leone

5. Der Gruß an die Mutter Gottes und die Tugenden

6. Adsorbeat

7. Allmächtiger, ewiger Herr

8. Wo Liebe ist...

9. Lobpreis und Dankgebet

10. Das Friedensgebet

 

1. Gebet in der Stunde der Bekehrung
Franziskus hat dieses Gebet in der Stunde seiner Bekehrung gebetet (1206). Das Kreuzbild von San Damiano betrachtend, war es im ein Verlangen, Gott um seine Hilfe zu bitten:

Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis
meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe
und tiefgründende Demut.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle,
den du mir in Wahrheit gegeben hast. Amen.

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2. Der Sonnengesang
Eines der wohl bekanntesten Gebet des Heiligen. Ein Lobpreis an die Schöpfung: Jenes Werk, das die Spuren der Liebe Gottes widerspiegelt. Auch der Tod wird erwähnt - als Bruder: Der Glaube an die Auferstehung nimmt den Tod seinen Schrecken. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Franziskus schon sehr krank ist als er dieses MEisterwerk der Poesie im Jahre 1224/1225 zu Ende schreibt.

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre
und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

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3. Der Lobpreis Gottes
Wie kann man Gott beschreiben? Ist er überhaupt in Worte zu fassen? Franziskus möchte gar nicht Gott in Worte zwängen oder meinen, Gott beschreiben können. Es sind Erfahrungen, die der Poverello von Assisi mit dem Allerhöchsten gemacht hat.

Du bist der heilige Herr, der alleinige Gott,
der du Wunderwerke vollbringst
Du bist der Starke. Du bist der Große.
Du bist der Erhabenste. Du bist mächtig,
du heiliger Vater, König des Himmels und der Erde.
Du bist der dreifaltige und eine Herr, Gott aller Götter.
Du bist das Gute, jegliches Gut, das höchste Gut,
der Herr, der lebendige und wahre Gott.
Du bist die Liebe, die Minne.
Du bist die Weisheit.
Du bist die Demut.
Du bist die Geduld.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist die Sicherheit.
Du bist die Ruhe.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist die Freude und Fröhlichkeit.
Du bist die Gerechtigkeit.
Du bist das Maßhalten.
Du bist all unser Reichtum zur Genüge.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist der Beschützer.
Du bist der Wächter und Verteidiger.
Du bist die Stärke.
Du bist die Zuflucht.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist unser Glaube.
Du bist unsere Liebe.
Du bist unsere ganze Wonne.
Du bist unser ewiges Leben:
großer und wunderbarer Herr,
allmächtiger Gott, barmherziger Retter.

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4. Das Segensgebet für Bruder Leone
Am Neujahrstag lesen wir in der 1. Lesung aus dem Buch Numeri, dass Gott durch Aaron das Volk Israel segnet. Franziskus übernimmt diesen Segen und spendet ihn seinen Mitbrüdern. Der Segen soll die Erinnerung daran sein, dass Gott in jedem Moment bei uns ist. Bruder Leone, für den Franziskus diesen Segen schrieb, trug dieses kleine Pergament immer bei sich - heute ist es in der Reliquienkapelle in der Franziskusbasilika in Assisi zu sehen.

Der Herr segne und behüte dich.
Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner.
Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden.
Der Herr segne dich.
Der Herr gebe dir den Frieden!

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5. Der Gruß an die Mutter Gottes und die Tugenden
Franziskus verehrt Maria als die Mutter der Kirche, als jene, die mit ihrem "Ja" ermöglicht hat, dass Christus Mensch geworden ist. Durch das tugendhafte Leben wird es auch dem Gläubigen möglich, Tempel Gottes zu sein.

Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria,
du bist Jungfrau, zur Kirche gemacht und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel,
die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem Heiligen Geiste, dem Tröster; in der war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute.
Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Gezelt.
Sei gegrüßt, du seine Wohnung.
Sei gegrüßt, du sein Gewand.
Sei gegrüßt, du seine Magd.
Sei gegrüßt, du seine Mutter.
Und seid gegrüßt, ihr heiligen Tugenden alle, die durch die Gnade und die Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden, um sie aus Ungläubigen zu Gott getreuen Menschen zu machen.

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6. Adsorbeat
Der Titel dieses Gebetes ergeben sich aus dem Anfangswort des Gebetes auf Latein: Losreißen. Franziskus zeigt mit diesem Gebet seine tiefe Verehrung und Verbundenheit mit dem Leiden Christi.

Losreißen möge meinen Sinn, ich bitte dich, o Herr,
die flammende und doch erquickende Gewalt deiner Liebe
von allem, was unter dem Himmel ist, damit ich sterbe
aus Liebe zu deiner Liebe, der du dich herabgelassen hast, aus Liebe zu meiner Liebe zu sterben.

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7. Allmächtiger, ewiger Herr
Dieses Gebet aus der "Nicht bullierten Regel" ist eine Bitte, den Fußapuren des Herrn folgen zu können und gleichzeitig ein Bekenntnis des dreifaltigen Gottes.

Allmächtiger, ewiger, gerechter und barmherziger Gott,
verleihe uns Elenden,
um Deiner selbst willen das zu tun,
von dem wir wissen,
dass Du es willst
und immer zu wollen,
was Dir gefällt,
damit wir, innerlich geläutert,
innerlich erleuchtet
und vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt,
den Fußspuren Deines geliebten Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus folgen können
und allein durch Deine Gnade zu dir,
Allerhöchster,
zu gelangen vermögen,
der Du in vollkommener Dreifaltigkeit.

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8. Wo Liebe ist...
In einem Schreiben an die Mitbrüder, den sogenannten Ermahnung, möchte der Heilige seinen Gefährten nahe legen, dass wir in Gottes Gegenwart nichts zu fürchten haben! Wer Christus folgt ist auf der sicheren Seite.

Wo Liebe ist und Weisheit,
da ist nicht Furcht noch Unwissenheit
Wo Geduld ist und Demut,
da ist nicht Zorn noch Verwirrung.
Wo Armut ist mit Fröhlichkeit, da ist nicht Habsucht noch Geiz.
Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung und unsteter Geist.
Wo die Furcht des Herrn ist, sein Haus zu bewachen,
da kann der Feind keinen Ort zum Eindringen finden.
Wo Erbarmen ist und Vorsicht, da ist nicht Übermaß noch Verhärtung.

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9. Lobpreis und Dankgebet
In seiner Regel hat Franziskus die Brüder oft zum Lob und Dank eingeladen. Gott ist die Güte, der die Menschen mit seiner Liebe erfüllt. Das folgende Gebet stammt aus der "Nicht bullierten Regel"

Lasst uns alle aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele,
aus ganzer Gesinnung, aus aller Kraft und Stärke,
mit ganzem Verstand, mit allen Kräften, mit ganzer Anstrengung,
mit ganzer Zuneigung, mit unserem ganzen Inneren,
mit allen Wünschen und aller Willenskraft Gott den Herrn lieben,
der uns allen den ganzen Leib,
die ganze Seele und das ganze Lehen geschenkt hat
und schenkt, der uns erschaffen hat,
erlöst hat und uns einzig durch sein Erbarmen retten wird,
der uns Elendigen und Armseligen,
Üblen und Abscheulichen,
Undankbaren und Bösen
alles Gute erwiesen hat und erweist. (NbReg 23,8)

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10. Das Friedensgebet
Dieses Gebet wird oft fälschlicherweise Franziskus zugeschrieben. Erstmals wurde es im Jahre 1913, auf einen Gebetsbildchen abgedruckt (auf der Vorderseite war ein Bildnis des Heiligen, wodurch man das Gebet mit ihm in Verbindung brachte), bekannt. Trotzdem wollen wir es hier auflisten, da es sicherlich dem Gedanken und der Lebensweise unseres Ordensgründers entspricht.

„O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
daß ich Liebe übe, wo man haßt;
daß ich verzeihe, wo man beleidigt;
daß ich verbinde, wo Streit ist;
daß ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
daß ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;
daß ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
daß ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
daß ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, laß mich trachten:
nicht, daß ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;
nicht, daß ich verstanden werde, sondern daß ich verstehe;
nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.“

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