Franziskus und die Beichte

In seinem Leben hat sich Franziskus oft die Frage gestellt "Wer bin Herr?" und vor allem "Wer bist du?". Niemals in seinem Leben hat unser Ordensvater sich davor gescheut, unangenehmen Fragen auf den Grund zu gehen. Warum auch? Es hat keinen Sinn, vor sich selber wegzulaufen oder sich irgendetwas vorzuspielen. Vielleicht kann man den Mitmenschen täuschen, sich selbst aber jedensfalls nicht.
Wir alle kennen die Geschichte von jenem Mann, der seinem Schatten davonlaufen wollte und es nie verstand, warum er ihn nicht loswerden konnte. Wäre derjenige kurz stehengeblieben, um über sein sinnloses Handeln nachzudenken, er hätte sich viel Zeit und Kraft sparen können!

Und gerade diese Zeit schenkt uns Gott in der Beichte! Er lädt uns ein, innezuhalten und uns als von ihm geliebte Personen zu entdecken. Trotz unserer Fehler. Trotz unserer Irrwege. Trotz unseres harten Herzens. Gott liebt uns. Er will uns in die Freiheit seiner Kinder führen.

Franziskus hat das entdeckt und auch gelebt. In seinem schönen Gebet bittet er Gott um die Erleuchtung seines Herzens; dass die Dunkelheit, die Unwissenheit ihn nicht davon abhält, den richtigen Weg zu gehen. Für sich hat der Poverello von Assisi die Antwort gefunden: Ich weiß, wer ich bin. Der größte Sünder, den Gott trotzdem liebt und schätzt. Keine Selbsterniedrigung, sonst richtige Selbsteinschätzung: Ich bin jemand, der Fehler begeht, doch durch sie auch wachsen kann und immer tiefer in der Erkenntnis meiner selbst und jene des Herrn eindringen werde!

Manchmal fragen wir uns schon: Wovor schrecken die Menschen zurück? Warum gehen so wenige beichten? Der Grund liegt vielleicht auch darin, dass so mancher schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. Anstatt Versöhnung geschenkt zu bekommen, wurden sie verurteilt oder niedergeschrien. Manche meinen auch, wir müssen all unsere Sünden aufzählen, wie auf einer Einkaufsliste geschrieben und dabei hoffen, dass Gott nicht nachtragend ist.

Und bei all dem - was lehrt uns Franziskus? Beginne das Gute zu entdecken und Gott dafür zu loben. Daraus wächst Dankbarkeit und Anerkennung. Frieden und Wohlergehen (Pax et Bonum!). Aber auch das Bewusstsein, wo das Gute fehlt. Wo ich mit Gottes Hilfe noch wachsen und mich ändern darf. Der Heilige von Assisi war sicher kein romantischer Träumer, umgeben von den Tieren, die mit ihm spielten. Er war immer auf der Suche, aber nicht rastlos: Denn er hatte sich ein Fundament geschaffen - Gott, den Herrn, den er als das Gut, das höchste Gut, das vollkommene Gut erfahren durfte. Jenen Herrn, der ihn und uns allen an diesem Gut teilhaben lässt.

Worauf warten wir also noch? Beginnen wir stehen zu bleiben und unseren Schatten zu betrachten. Und dabei können wir denken: Ohne Licht gebe es keinen Schatten. Ohne die Erkenntnis des Guten werden wir das Schlechte nicht verstehen oder dauernd nur in der Dunkelheit orientierungslos herumlaufen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie sich aufmachen und den Schritt zur Beichte machen. Es ist ein Schritt auf Gott zu, aber vor allem auf sich selbst hin: Herr, wer bin ich - lass es mich erfahren und erleben!

P.S.: Bedenken wir, dass wir für die Beichte auch das Wort "Aussprache" verwenden. Bevor ich rede, muss ich überlegen, was ich sage. Wenn ich etwas ausspreche, dann nehme ich dazu Stellung. Ich bringe es vor mich hin und kann es ganz neu betrachten!

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